Projekt: Kunst & Politik


Der Themenschwerpunkt "Kunst und Politik" befasst sich, ausgehend von politisch-ästhetischen Verfahren, wie sie etwa Elfriede Jelineks Werk charakterisieren, mit grundsätzlichen Aspekten politischer Ästhetik: Was ist "politische Kunst" heute? Wie könnte/sollte zeitgenössische Kunst "politisch" sein?

Ausgangspunkt ist das Werk Elfriede Jelineks und die politisch-ästhetischen Verfahren, die es charakterisieren: Subversion und Dekonstruktion, das Erzeugen von Widerständen, Störungen und Reibungen aber auch Fragen nach Opfer- und TäterInnenschaft. Inhaltlich sind die Themen, etwa in jüngeren Theatertexten wie Am Königsweg oder Schwarzwasser: Populismus, Faschismus, Rassismus, Antisemitismus und Rechtsruck, demgegenüber aber auch das politische Engagement und die Positionierung als KünstlerIn sowie die (Un-)Möglichkeit eines Eingreifens.

Als erste Manifestation des Themenschwerpunktes "Kunst und Politik" fand im November 2019 im WERK X in Wien das interdisziplinäre Symposium "Kunst und Politik" statt, das sich mit politisch-ästhetischen Strategien ebenso auseinandersetzte wie mit den politisch-ästhetischen Möglichkeiten verschiedener Künste (wie Literatur, Musik, Theater, Tanz, bildende Kunst, Film) und neuer intermedialer künstlerischer Formate.
Auch das interdisziplinäre Symposium, das als Rahmenprogramm zur Wien-Premiere von Kelly Coppers und Pavol Liskas Film Die Kinder der Toten im Stadtkino im Künstlerhaus stattfand, setzte sich mit Transformationsprozessen an der Schnittstelle von Roman, Live-Performance und Film sowie neuen Formen partizipativer Kunst und politisch-künstlerischer Interventionen auseinander.

In den kommenden zwei Jahren wird sich der Interuniversitäre Forschungsverbund Elfriede Jelinek der Universität Wien und der MUK intensiv mit diesem Themenschwerpunkt befassen. Dabei wird es zum einen um eine Grundlagendefinition gehen: Was bedeutet politische Ästhetik und Subversion heute, auch und gerade im internationalen Vergleich? Was macht Kunst politisch?

Daraus ergeben sich Fragen nach konkreten politisch-ästhetischen Verfahren: Wie muss Kunst gestaltet sein, um politisch zu sein, welche Möglichkeiten haben hier die jeweils unterschiedlichen Kunst-Disziplinen?
Auch Fragen nach Kunst und Moral stellen sich in diesem Zusammenhang:
Welche Rolle nehmen im internationalen Vergleich "die Intellektuellen" und engagierte, politische KünstlerInnen ein und welche Rolle wird ihnen von der Gesellschaft zugewiesen?
Schließlich geht es auch um kulturpolitische Fragen insofern, als sich der Forschungsschwerpunkt damit auseinandersetzt, wie Kunst konkret wirksam werden und eingreifen kann. Geplant sind interdisziplinäre und internationale Symposien, starten wird der Schwerpunkt mit einem Doppel-Symposium in Wien und in Warschau.

Elfriede Jelinek: "Schwarzwasser". Akademietheater, Inszenierung: Robert Borgmann, 2020. Martin Wuttke. Foto: Matthias Horn / Burgtheater.