2.6.2020

Projekt NOTATION UND AUFFÜHRUNG

BEITRAG

Ein Schriftwechsel über das Musiktheater
Von Anke Charton und Sergio Morabito


Der Interuniversitäre Forschungsverbund Elfriede Jelinek bat die Theaterwissenschaftlerin Anke Charton und den Dramaturgen und Regisseur Sergio Morabito um ihre Gedanken zum Verhältnis von Notation und Aufführung, Text und Werk, und zur Medialität und Materialität von Kunstwerken – insbesondere mit Blick auf das Musiktheater.

Es entspann sich eine gemeinsame Reflexion, unter anderem zu den Fragen:

Was ist Notation bzw. „Text“ und was ist „Werk“ und lassen sich beide überhaupt trennen?
Wie verhält sich die Notation zum „Werk“ als Ganzem und zu seinen einzelnen Teilen wie dem Text bzw. der Partitur, der Aufführung bzw. Performance, der Leserschaft bzw. dem Publikum?
Ist die „Notation“ dem „Werk“ notwendig vorgängig oder ist sie eher die Repräsentation eines Werkes? Was zeichnet eine Notation genau auf (einen künstlerischen Gedanken, eine künstlerische „Handlungsanweisung“ etc.)?
Braucht es notwendig eine Notation und wenn ja, in welcher medialen Form?
Wie unterscheidet sich die Materialität und Medialität von Notationen in den unterschiedlichen Künsten wie z.B. Literatur, Theater, Musik, Musiktheater und Tanz?
Ist der „Werk“-Begriff als Begriff des 19. Jahrhunderts obsolet, weil „Werke“ ohnehin schon längst jede Geschlossenheit zugunsten eines freien Verhältnisses zwischen Notation und Aufführung gesprengt haben?
Gibt es in der Gegenwart einen freieren Umgang mit Material und Fassungen im Musiktheater?

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Anke Charton ist Theaterwissenschaftlerin. Studium der Theaterwissenschaft und Germanistik in Leipzig, Bologna und Berkeley. Promotion zu Geschlechterrollen in der Oper (prima donna, primo uomo, musico, 2012). Forschungsaufenthalte u.a. in Spanien und den USA. Derzeit Assistenzprofessorin (TT) am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien. Forschungs- und Publikationsschwerpunkte in Musiktheater und Gesangsgeschichte, Theatergeschichte der Frühen Neuzeit sowie Theater/Anthropologie.


Sergio Morabito ist Dramaturg und Opernregisseur. Ab 1993 als Dramaturg und Regisseur an der Staatsoper Stuttgart, 2011-18 in leitender Funktion. Lehraufträge an den Universitäten Frankfurt, Leipzig und Stuttgart. Mitglied der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste, Ehrenmitglied der Staatstheater Stuttgart. Langjährige Zusammenarbeit mit Jossi Wieler, mit dem gemeinsam er zahlreiche, mit nationalen und internationalen Auszeichnungen gewürdigte Aufführungen inszenierte. 2020 Wechsel nach Wien als Chefdramaturg mit der neuen Direktion der Wiener Staatsoper unter Bogdan Roščić.